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  1. LEERLAUF

    Videoinstallation auf 5 Bildschirmen von Frank Cmyk, 2009
    mit Imola Galvácsy, Julia Haugeneder, Katherina Lochmann und Bianca Pospischek

    Um ein künstlerisches Konzept der kapitalistischen Verwertungslogik zuführen zu können, wird früher oder später zumeist versucht, dieses zu materialisieren. Was davon übrig bleibt, sind oft nur die Scherben einer Idee. Nicht umsonst lautet der dritte Punkt von Lawrence Weiner’s Declaration of Intent: „The work need not be built.“1 Die Wiener AktionistInnen standen im Grunde vor dem gleichen Problem2, und sogar vom „Verweigerungs- künstler“ Otto Kobalek haben einige wenige Werke die Jahrzehnte überdauert.3
    Was vielen künstlerischen Positionen, die sich nur bedingt veräußern lassen, gemein ist, ist ihr prozesshafter Charakter. Die aktuelle Arbeit des Kollektivs Frank Cmyk widmet sich dem künstlerischen Produktionsprozess, indem sie ihn mit den Irrationalitäten betriebswirtschaftlicher Entscheid- ungen in Einklang bringt. In Leerlauf werden in aller Ruhe und voller Konzentration Tätigkeiten ausgeführt, deren Selbstzweck Reflexionen über Lebensinhalte und Alltags-handlungen provoziert. Scheinbar unbeeindruckt von der Tätigkeit der Anderen, lediglich verbunden durch einen roten Faden, verrichten die fünf Künstlerinnen Arbeiten, die sich gegenseitig aufheben.
    Was davor oder danach mit dem Produkt passiert, interessiert nicht - einzig die Tätigkeit, deren Zweck die Aufrecht-erhaltung des Kreislaufes der kapitalistischen Wirtschaftsordnung als „[...] beständige Reproduktion oder Verewigung des Arbeiters [...]“4 ist, scheint von Relevanz zu sein.
    Die gegenwärtige Bedeutung von (in erster Linie auch weiblich besetzter) Erwerbsarbeit sowie die Angst vor dem „Ende der Arbeitsgesellschaft“5 sind Assoziationen, die bei der Betrachtung der wie aus objets trouvés zusammen-gesetzten Videos aufkommen: Dinge werden zerlegt, etwas Neues daraus zusammengebaut, wieder zerlegt, wieder zusammengebaut, etc., ohne je ein Endprodukt zu generieren, das einem Ge- bzw. Verbraucher oder gar Konsumenten von Nutzen sein könnte. Was in diesem Fall bleibt, ist der Prozess als Erzeugnis. Wenn am (lediglich im „Off“ vermuteten) Ende des Vorganges das Gleiche wie am Anfang steht, ein roter Faden, ist dieser nach Leerlauf nicht mehr der Selbe – er durchlief den Arbeitsprozess, der mit dessen Aufzeichnung unmittelbar verknüpft ist und dadurch zum Gegenstand künstlerischer Reflexion wird.
    Frank Cmyk‘s emergentistischer Ansatz ermöglicht die Gewinnung essenzieller Aussagen zum Thema Kunst mit Hilfe des Mediums Video – durch die wechselseitige Bedingung von Form und Inhalt kann Leerlauf daher als Idealbild eines künstlerischen Produktionsprozesses bezeichnet werden.

    Klaus Bock (2009)

    [1] zit. nach: http://www.artinfo.com/news/story/19291/lawrence-weiner/, download am 9.11.2009
    [2] aus der Vorlesung Zeitgenössische Kunst (Zyklus IV) von AO. Univ.-Prof. Dr. phil. Patrick Werkner, gehalten an der Universität für Angewandte Kunst, SS 2009
    [3] Auch wenn dieser selbstverständlich nicht zu den Wiener AktionistInnen gezählt werden kann. http://oe1.orf.at/highlights/108909.html, download am 9.11.2009 [4] Marx, Karl: Das Kapital. Erster Band. 36. Auflage. Karl Dietz Verlag Berlin 2001, S.596
    [5] http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/hirsch.html, download am 9.11.2009